Ein schwerer Verlust

"Was ein Mensch noch alles hätte sagen können"
 
Am Montag ist mein Uropa gestorben. Er war 93 Jahre alt und hat zwei Weltkriege mitgemacht, wobei er in einem sogar Soldat in Norwegen war. Er hieß Leopold. Seitdem vor 8 Jahren, am zweiten Geburtstag von meinem Bruder, der die Welt an diesem Tag nicht mehr verstand, seine Frau, meine Uroma, gestorben war, verschlechterte sich sein Augenlicht soweit, dass er nichteinmal mehr hell und dunkel sehen konnte. Er war seitdem sogut wie blind und auf Hilfe angewiesen. Seither war er wirklich schwierig und wollte auch nicht mehr so recht leben. Er hat immer gehofft, dass meine Mutter oder meiner Tante, seine Enkel, den Hang zur Musik finden. Er selbst war in den Jahren nach dem Krieg in Kuppendorf ein bekannter Saxofonist gewesen und fehlte auf keiner Feier in dem kleinen Dorf. Zusammen mit einem Freund war er die Kapelle "Leoponardo". Er hatte keine schöne oder leichte Kindheit gehabt. Er wuchs in einer schlimmen Zeit auf. Einer Zeit voller Schrecken und Angst. Er selbst musste Soldat im zweiten Weltkrieg werden. Hierbei verlor er seine Familie, meine Uroma, meine Oma, sowie ihre Schwester aus den Augen. Er hatte Glück in Norwegen statiniert zu werden und nicht an der Front. Aber Hand aufs Herz, kann man bei den vielen Grausamkeiten dieser Zeit, überhaupt von Glück sprechen? Seine Familie fand sich erst nach dem Krieg in Kuppendorf wieder zusammen; nach vielen Jahren der Trennung und Ungewissheit. Er hatte viel hinter sich. Und die letzten Monate, wenn nich sogar Jahre, waren nur noch Qual für ihn. Wir sind alle traurig über diesen Verlust, aber es kam nicht überraschend. Aber nun muss er nicht mehr leiden und sich quälen. Zu seiner Trauerfeier kamen viele Menschen. Einige kannte ich, andere kamen auf fernen Bundesländern nach Steyerberg zur Kirche, die ich noch nie vorher gesehen hatte und selbst meine Mutter nicht wusste, wen sie vor sich hatte. Der Gang zum Grab war nicht leicht. Ich sah meine Oma und meinem Opa weinend vorm Grab stehen. Das berührte mich sehr. Auch meine Eltern und Tante standen weinend vor seinem Grab. Da wurde mir bewusst, dass ich ihn nicht recht kannte. Nunja, wie sollte ich auch? Er war mein Leben lang von Krankheit geplagt. Und als ich in das Alter des Fragen stellen kam, war er schon zu krank um noch Antworten zu geben. Er war aber bis zu letzt auf jeder Geburtstagsfeier unserer Familie. Er war zwar ein Einzellgänger, aber in unserer Mitte hatte er sich immer sichtlich wohl gefühlt. Auch mich fragte er nach der Musik. Ob ich denn nicht Interesse an einem Instrument hätte. Er legte mir seine geliebtes Saxofon ans Herz. Aber ich hatte nie diesen Hang zur Musik, der mich zum Spielen eines Instrumentes geführt hätte. Er hat leider von keinem aus unserer Familie sein Saxofon spielen hören. Der Pastor zitierte aus aus einem Text den mein Uropa im Jahre 1992 aufgeschrieben hatte. Er hatte seine Lebensgeschichte geschrieben. Ich war sehr überrascht, das es diese Aufzeichnung von ihm gab. Auch meine Mutter wusste von nichts. Es war schön diese Geschichte einmal vollständig zu hören. Ich kannte zwar Teile schon, aber in diesem geordnetem Ganzen war es doch noch eine andere Erfahrung. Wir vermissen ihn alle sehr.
7.3.08 16:00


[erste Seite] [eine Seite zurück]
Gratis bloggen bei
myblog.de